Ge 4/4 82 (182) Das Bernina-Krokodil (Fortsetzung)

Korrektur falscher Informationen

Zum Glück konnte die 182 wieder rollfähig gemacht werden - hier wird sie aus ihrem "Urwald-Versteck" von einer SGLM Lok ins Tal gebracht. Foto: Club1889
Zum Glück konnte die 182 wieder rollfähig gemacht werden - hier wird sie aus ihrem "Urwald-Versteck" von einer SGLM Lok ins Tal gebracht. Foto: Club1889

Leider hat sich über die Jahre eine falsche Information bezüglich dem Aufenthalt der Lok in Frankreich verbreitet - hier die Richtigstellung:

 

Im Jahr 1984 wurde sie von einem französischen Privatmann, resp. dessen Firma, von der RhB abgekauft, von Landquart nach Frankreich transportiert und auf einem Gleis der französischen Meterspurbahn St.Georges-de-Commiers - La-Mure abgestellt.

 

Die Information, dass die SGLM die Lok übernommen hat ist leider ebenso verbreitet wie falsch:

  • Die SGLM war weder Eigentümerin, noch hatte sie den Wunsch, die Lokomotive auf ihrem Netz zu betreiben. Von der SGLM ging keinerlei Initiative aus, was die Lok 182 anbelangt.
  • Sie hatte keinen Bedarf an weiteren Lokomotiven.
  • Der Unterschied zwischen der Netzspannung der SGLM (2400 V) und der Lok 182 (1000 V) war der SGLM logischerweise bekannt, aber aus obengenannten Punkten nicht relevant.

 

Nachdem die Firma der Privatperson in finanzielle Schwierigkeiten geraten war und der Zustand der im Freien abgestellten Lokomotive sich zusehends verschlechterte und der Abbruch drohte, war Handlung angesagt.

 

Dies war in der Zwischenzeit ein schwieriges juristisches Unterfangen, da die Lok bereits in die Konkursmasse der Firma gefallen war. Das Fahrzeug aus dieser herauszulösen war denkbar schwierig, zumal anfänglich unrealistische Vorstellungen über den Wert bestanden.

Hier die zu recht stolzen Bündner Mannen des Club 1889 nachdem die Lok sicher und unversehrt im Talbahnhof angekommen ist. Foto: Club1889
Hier die zu recht stolzen Bündner Mannen des Club 1889 nachdem die Lok sicher und unversehrt im Talbahnhof angekommen ist. Foto: Club1889

Dank dem engagierten Einsatz eines sachkundigen Franzosen vor Ort, gelang es schliesslich, die Lok durch den Club 1889 zu erwerben. Der Puschlaver Mannschaft der Untergruppierung "Associazione 182" plus tatkräftige weitere Bündner Verstärkung gelang dann die Befreiung der Lok aus dem Gewächs und den Verlad auf einen Normalspur-Transportwagen. Das war eine grosse logistische Herausforderung, so rückte der Club1889 mit einem Werkzeugcontainer an der eigens für dieses Projekt zusammengestellt war.


Bis zum Eintreffen der Lok in der Schweiz blieb die Rückführung eine Zitterpartie! Am 29.11.1999 traf der Transport in Landquart ein.

Ankunft in Landquart am 29.11.1999: Morgens um 4 Uhr brachte der SBB Güterzug 64749 die erwartete Fracht! Zwischen den beiden Vorbauten ist der gelbe Werkzeugcontainer. Foto: Club 1889
Ankunft in Landquart am 29.11.1999: Morgens um 4 Uhr brachte der SBB Güterzug 64749 die erwartete Fracht! Zwischen den beiden Vorbauten ist der gelbe Werkzeugcontainer. Foto: Club 1889

Die Vorgeschichte zur Rückholung aus Frankreich im Jahr 1999

In jämmerlichem Zustand abgestellt in Frankreicht. Foto: M. Jansen / Archiv Club1889
In jämmerlichem Zustand abgestellt in Frankreicht. Foto: M. Jansen / Archiv Club1889
Interessanterweise waren es vier unabhängige Personengruppen, welche sich schon vor einiger Zeit Gedanken über eine Rückführung des Bernina-Krokodils Ge 4/4 182 gemacht hatten:
  1. Ein Ehepaar aus dem Engadin erwägte schon etwa vier Jahre davor die Rückschaffung der Lok und die Aufstellung auf deren privaten Grundstück in der Nähe der Engadin-Linie, aber weit weg von der Bernina-Linie. Das Projekt wurde aufgrund anderer Vorhaben zwischendurch "schubladisiert", jedoch etwa im Jahr 1997 wieder konkret verfolgt.
  2. Unabhängig davon hat sich zur gleichen Zeit ein anderer Eisenbahn-Kenner mit dem gleichen Gedanken auseinandergesetzt. Die Lok wäre dann zwar in der Schweiz aufgestellt gewesen, aber in diesem Fall im Berner Seeland - erst recht nicht in der Nachbarschaft der Bernina-Bahn.
  3. Nach dem Erfolg mit der Renovation des C 2012 kam aus dem Club 1889 heraus die Idee, den öden "Samedaner Spickel" mit einer Denkmal-Lokomotive zu schmücken. Der "Samedaner Spickel" befindet sich dort, wo sich die Linie nach Celerina und jene nach Pontresina trennen, damals also in der Nähe der ehemaligen Barriere, gegenüber dem Sportzentrum Sper L'En. Die Gemeinde Samedan war von dieser Idee angetan und so verfolgte auch der Club 1889 die Spuren des Bernina-Krokodils.
  4. Zu diesem Zeitpunkt bekamen Puschlaver Bernina-Eisenbahner Wind von dieser Idee und protestierten: Die Lok gehöre, wenn schon, dann auf die Bernina-Strecke und weil sie immer in Poschiavo stationiert gewesen sei solle sie dort aufgestellt werden.

Wie die Geschichte so wollte, erfuhr das Engadiner Ehepaar von den Bestrebungen des Club 1889 und schloss sich dem Vorhaben an. Auch die andere Privatperson schloss sich mit seiner Idee an und so kam es dann zur "Zusammenlegung der Kräfte"

Die Initiative

Am 17. Juli 1999 wurde im Hotel Ospizio Bernina also die "Associazione 182" gegründet mit dem Ziel, das Bernina-Krokodil Ge 4/4 182 wieder in die Puschlaver Heimat zurückzuführen. Im Verlaufe des Jahres wurde diese Organisation in den Club1889 integriert und die Kräfte so gebündelt.

 

Mit grossem Optimismus ging man ans Werk, inspizierte die in jämmerlichem äusseren Zustand abgestellte Lok und kontaktierte den Eigentümer erneut, diesmal nicht dreifach...
 
 

Der Kaufvertrag ist unterzeichnet

Lange Verhandlungen prägten den Sommer und Herbst, aber am Mittwoch, 13. Oktober 1999 war es soweit: Funktionäre der Associazione 182/Club1889 unterzeichneten zusammen mit dem Verkäufer den Kaufvertrag für das Bernina-Krokodil! Und sie brachten bereits einen wichtigen Teil der Lokomotive mit zurück ins Engadin: Die Lokschilder!

 

Das Geld sowohl für den Verkaufspreis wie auch für den Transport war bereits vorhanden. Der Haupt-Sponsor war Herr Märky, Hotelier des Hotels Steffani in St.Moritz. Mit seinem grosszügigen finanziellen Engagement half er massgeblich mit, diese erste, bedeutende Hürde zu schaffen - im Namen der Bernina-Fans vielen herzlichen Dank, Herr Märky!