Centrale elettrica Campocologno

Die Postkarten und Fotos von Campocologno und der Kraftwerkzentrale zu separieren ist fast ein Ding der Unmöglichkeit! Das Ortsbild wird dominiert von den Druckrohren und dem - im Verhältnis zu den Wohnhäusern - riesigen Kraftwerksgebäude. Deshalb sollen hier Ansichten mit dem Fokus auf die Kraftwerkszentrale publiziert werden - es gibt deren viele! Ansichten von Campocologno findest Du hier.

 

Die Geschichte der Berninabahn und der Kraftwerke Brusio (Erstellerin und Besitzerin u.a. der Zentrale Campocologno) sind ebenfalls eng verwoben - eine Symbiose zwischen Erstellerin und Abnehmerin von Energie. Das bisschen Strom für die Berninabahn war alleine kein 'Business Case', im Vordergrund stand die Lieferung von Elektrizität in die ferne Wirtschaftsmetropole Milano, welches einen zweiten Lieferanten brauchte. Einerseits um der rasant steigenden Energiebedarf von Energie und Bevölkerung zu decken und anderseits, um aus der Abhängigkeit der Firma Edison zu kommen.

Mehr über die spannende Geschichte der Kraftwerke Brusio KWB (Forze motrice Brusio FMB) und der einhergehenden Energieproduktion im Puschlav wird im Laufe der Zeit folgen.

 

700-006 Private Foto
700-006 Private Foto

Ein schönes Foto aus der Anfangszeit der Zentrale, vermutlich bei deren Installation.

 

Drei Monteure stellen sich dem Fotografen um einen noch nicht fertig montierten Generator.

 

Leider gibt es keine weiteren Information zu diesem schön arrangierten Berufsbild.

700-501 Verlag Edit. U. Trinca, Sondrio. Karte ungelaufen
700-501 Verlag Edit. U. Trinca, Sondrio. Karte ungelaufen

Fantastische und äusserst seltene Ansicht vom Bau der Anlagen!

 

Sichtbar sind die Druckrohre, die erst im unteren Drittel des Gefälltes montiert sind!

 

Der Kraftakt für das Hochziehen der Rohre ist enorm, er Eingriff in die Landschaft auch!

Die Vergrösserung zeigt, dass die Brücke der Berninabahn zwar montiert, die Bahn jedoch noch nicht in Betrieb ist - es fehlt mindestens die Fahrleitung. Die Rohre sind deshalb vermutlich von Italien her angeliefert worden, genauso wie die Generatoren, wie Bilder zeigen.

700-004 Editori Eredi fn. Pietro Pola - Campocologno. Karte gelaufen 25.1.1908
700-004 Editori Eredi fn. Pietro Pola - Campocologno. Karte gelaufen 25.1.1908

"Campocologno, Centrale elettrica forza 36,000 cavalli"

Stolz erläutert der Text auf der Vorderseite die Dimension des Kraftwerks, 36000 PS!

 

Die Anlagen scheinen fertig gebaut. Der relativ grobkörnige Druck könnte auch vermuten lassen, dass die Rohre etwas nachgezeichnet sind.

 

Dennoch ist es ein tolles, frühes Zeitdokument! Die Foto wurde vor der Inbetriebnahme der Berninabahn gemacht.

 

Pola ist der einzige mir bekannte Verlag in Campocologno, für mehr war wohl auch kein Platz...

 

 

Empfängerin war das Fräulein Winkler aus Niederurnen im Kanton Glarus. Der Schreiberling war mit grosser Sicherheit ein Deutschschweizer, der sich sehr Mühe gegeben hat, in beinahe perfektem italienisch zu schreiben. Mit der verschlungenen Unterschrift wollte er wohl dem neugierigen Pöstler die Identität verdecken :-)

700-007 Werbepostkarte Meisser, erstellt für Alioth, gelaufen 16.6.1911
700-007 Werbepostkarte Meisser, erstellt für Alioth, gelaufen 16.6.1911

Hier eine beeindruckende Ansicht der eigentlichen Centrale im langen Haus! In der linken Reihe stehen die Wasserturbinen, daran angeflanscht die stromerzeugenden Generatoren.

 

Der Boden ist aufwändig mit sog. Tozzetti-Plättli belegt.

 

Solche Ansichten gibt es von Albert Steiner, Hugo Kopp, Chr. Meisser und anderen. Die Kraftwerkzentrale war bei Inbetriebnahme das stärkste Elektrizitätwerk der Welt und fand riesige Beachtung in der Presse rund um den Globus. Alle Fotos weichen in Nuancen voneinander ab. Das Spezielle an dieser Karte ist, dass es sich um eine Werbepostkarte der Firma "Elektrizitätsgesellschaft Alioth, Münchenstein-Basel" handelt, welche nicht nur die Ausrüstung der Kraftwerke lieferte, sondern auch diejenige der Berninabahn, inkl. der Triebwagen.

 

Weshalb ein Basler Unternehmen (später BBC, heute ABB)? Zu dieser Zeit war Basel das Finanzzentrum der Schweiz und somit massgeblich an der Finanzierung von grossen Industrieanlagen beteiligt. Auch die Berninabahn hatte viele Basler Lieferanten - der "Daig" reichte also bis ins Puschlav. Namen wie Alfred Sarasin sind aus der Geschichte von KWB und BB nicht wegzudenken.